Schachkreuzfahrt in der Karibik

von Andreas Back (erschienen auf ChessBase.de)

20.01.2015 – Gibt es etwas Schöneres als das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden? Na klar - das Angenehme mit etwas anderem Angenehmen zu verknüpfen. Im November, als es in Deutschland langsam kalt wurde, machte sich eine Gruppe deutscher Schachfreunde auf den Weg in die Karibik, spielte unterwegs Schach und genoss die Schönheiten auf Curacao, Aruba, Jamaica und an anderen exotischen Plätzen

Karibik- Kreuzfahrt, Schachtraining und Schachturnier

Sonne, Strand, blaues Meer, Gaumenfreuden und Schach!

Ein Foto- Erlebnis- Reisebericht von Andreas Back, zur Schachkreuzfahrt: Boston – Westliche Karibik – New Orleans im November 2014, mit Schachgroßmeister Jörg Hickl und der FIDE-Meisterin Franziska Beltz.

Am Freitag, dem 07. November, ging es von Boston aus los, mit Kurs auf die Karibik. Vorher standen aber erst die Einschiffungsformalitäten auf dem Programm.

Teilnehmer der Schachreisegruppe beim Einchecken

Um 17.00 Uhr, löste man bei unserem Schiff, der Norwegian Dawn, die Leinen und stach nach San Juan (Puerto Rico) in See. 1.491,7 Seemeilen lagen jetzt vor uns.

Die Norwegian Dawn ist ein Schiff der Freestyle Cruising, wurde 1998 bei der Meyer Werft in Auftrag gegeben und im November 2002 über die Ems auf See überführt. Die Baukosten betrugen 400 Mio. Euro.

Daten:
Passagiere (Doppelbelegung): 2.340
BRZ: 92.250
Länge: 294 m
Breite: 32 m
Tiefgang: 8,5 m
Maschinen: vier Dieselmotoren mit 79968 PS Gesamtleistung
Reisegeschwindigkeit: 25 Knoten
Besatzung: 1.033

Abfahrt in Boston

Regenbogen in Sicht! Frühaufsteher konnten am ersten Morgen auf See, diesen Regenbogen am Horizont erblicken.

An den Seetagen stand unter anderem das Schachturnier auf dem Programm. (Foto: 2. Runde vom 09. November). Auf der Route von Boston nach San Juan wurden die ersten beiden Runden gespielt.

Nach den jeweiligen Runden vormittags, konnten die Teilnehmer am Nachmittag, bei den Partieanalysen, mit WFM Franziska Beltz und GM Jörg Hickl, nützliche Ratschläge und Erkenntnisse erlangen. Am Dienstag, dem 11. November, um 08.00 Uhr morgens erreichten wir pünktlich den Inselstaat Puerto Rico. Heute konnten wir bei Landgang und Landausflügen San Juan erkunden.

San Juan, Puerto Rico

Puerto Rico wurde 1493 von Kolumbus auf seiner zweiten Reise entdeckt und ist heute ein mit den USA "assoziierter" Inselstaat in der Karibik. Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg beanspruchten die USA die Insel 1898 für sich. Die Einwohner der Insel erhalten die US-amerikanischen Staatsbürgerschaft, aber nicht aller Rechte, da die Insel kein teil der USA ist. San Juan, 1521 von den Spaniern gegründet, ist die Hauptstadt der Insel mit knapp 400.000 Einwohnern im Kerngebiet. Auf Puerto Rico leben ca. vier Mio. Menschen. Der Schauspieler José Ferrer wurde 1912 in San Juan geboren.

Die Norwegian Dawn an ihrem Liegeplatz Puerto Rico.


 

Von links: Reisearzt Dr. Guntram Hilbenz, Andreas Back, Franziska Beltz und Jörg Hickl, auf Landgang in San Juan (Foto: Frank Wunderlich).

Die Altstadt von San Juan

Der Cementerio de Santa Maria Magdalena de Pazzis, 1863 von den Spaniern angelegt. Hier sind die viele prominente frühere Bewohner von Puerto Rico begraben.

Die Festung von St. Juan: Castillo San Felipe del Morro, oder Fort San Felipe del Morro, im 16. Jahrhundert zum Schutz des Hafens erbaut, seit 1983 Weltkulturerbe

Um 16.30 Uhr, hieß es: „Alle an Bord“ und um 17.00 Uhr, wurde mit Kurs auf die niederländischen Antillen abgelegt. Willemstad auf der Insel Curacao gelegen, war der 499,8 Seemeilen entfernt liegende Zielhafen. Bei der Hafenausfahrt in San Juan, hatte man einen schönen Blick auf die Festungsanlage der Stadt.

An Bord der Norwegian Dawn gab es ein vielfältiges Angebot an Dining- Optionen, ob u.a. italienisch, französisch, oder asiatisch, die Auswahl war zwar nicht ganz so groß wie bei der Schach-Eröffnungswahl, aber es war für jeden etwas dabei. Auf dem Foto, saßen wir im Bamboo, wo asiatische Köstlichkeiten serviert wurden.

An so manchem Abend, traf man sich zum „Blitzen“.

Auf der Route zwischen San Juan und Willemstad fand mittwochs die dritte Runde unseres Schachturniers statt.

Am Donnerstag, dem 13. November, um 08.00 Uhr, gingen wir dann in Willemstad, Curacaos Hauptstadt, vor Anker. Landausflüge und Landgänge standen hier auf dem Tagesprogramm.

Willemstad

Willemstad ist die Hauptstadt von Curacao. Die Insel wurde 1499 von den Spaniern entdeckt. 1515 verschleppten die Spanier fast alle Ureinwohner, die Arawak, in die Sklaverei nach Spanien. 1634 wurde Curacao von der Niederländische Westindien-Kompanie erobert und bis zur Abschaffung der Sklaverei in den Niederlanden 1863 als Zentrum für den karibischen Sklavenhandel benutzt. Curacao ist ein autonomes Land innerhalb der Niederlande. In Willemstad leben etwa 125.000 Menschen (Curaco 150.000). 1962 fand in Willemstad das Kandidatenturnier statt. Teilnehmer waren Petrosian, Geller, Keres, Tal, Kortschnoi, Fischer, Benkö und Filip. Tal wurde während des Turniers krank. Fischer beschuldigte nachher die sowjetischen Spieler Petrosian, Geller und Keres gegen ihn gerichtete Remisabsprachen getroffen zu haben. Das Turnier gewann Petrosian, der im folgenden Weltmeisterschaftskampf Botwinnik entthronte.

Willemstad

Die heimische Fauna, ein Urahn der Saurier, zum Glück viel kleiner

Landgang auf Curacao.

Am späten Abend, um 22.30 Uhr, hieß es dann wieder: „Alle an Bord“ und es ging um 23.00 Uhr, 78,6 Seemeilen weiter zur Nachbarinsel Aruba, mit Zielhafen Oranjestad.

Wir schreiben: Freitag, den 14. November: Die Nacht, sowie die 78,6 Seemeilen liegen hinter uns, und wir haben um 08.00 Uhr, in Oranjestad, auf Aruba, angelegt. Auch heute war wieder Landgang angesagt!

Aruba gehört mit Bonaire und Curacao als Teil der Kleinen Antillen zu den so genannten ABC-Inseln in der südlichen Karibik. Der Inselstaat ist einer der vier Königreiche der Niederlanden. Die anderen sind Curacao, St. Maarten und die Niederlande selbst, zu denen auch Bonaire, Saint Eustatius und Saba in der Karibik gehören. Seit 1636 ist Aruba unter niederländischer Verwaltung; erster Gouverneur war Peter Stuyvesant. Größter Ort und Hauptstadt der Insel ist Oranjestad (25.000 Einwohner)


Aruba! Die Straßenbahn wird ohne Oberleitung im Hydrail-Betrieb unterhalten.

Aruba-Beach

17.30 Uhr: „Alle an Bord“ – um 18.00 Uhr wurde Kurs auf Jamaica gesetzt – 553,8 Seemeilen lagen vor uns.

Um 18.10 Uhr ging die Sonne unter, und man konnte von Deck aus diesen schönen Sonnenuntergang bewundern.

Abendessen mit Live- Musik im 24 Stunden- Restaurant Blue Lagoon.

Am Samstag, dem 15. November, wurde die vierte Runde des Schachturniers ausgetragen.

Eine junge Dame, die sich vor dem verspiegelten Fenster unseres Spielraums niederließ, sorgte für einige Aufmerksamkeit. Es sei an dieser Stelle verraten, dass der Spieler mit den schlechteren Aussichten, diese Partie gewann!

553,8 Seemeilen von Aruba bis Jamaica brachten wir am Sonntag, dem 16. November, hinter uns.


Die Norwegian Dawn, an ihrem Liegeplatz in Ocho Rios, auf Jamaica. Wir waren wieder auf Landgang!

Die Dunn´s River Falls sind die größte Attraktion in Ocho Rios.

Die Wasserfälle gehören zum Freizeitpark Dunn's River Falls & Park. Im Jahre 1657 fand in der Nähe eine Schlacht zwischen den Spaniern und den Engländern statt.

16.30 Uhr: „Alle an Bord“

Um 17.00 Uhr, wurden die Leinen los gemacht und der Anker gelichtet.  Es ging 259,1 Seemeilen weiter auf die Grand Cayman Islands – Zielhafen dort war George Town.

Am Montag, dem 17. November, um 08.00 Uhr, ankerten wir vor George Town. Hier wurde mit Tenderbooten zum Landgang ausgeschifft.

Kaperschiff in der Midiausgabe

Strand auf Jamaica. Nicht besonders überlaufen.

Einschiffung. 15.00 Uhr: letztes Tenderboot: Um 16.00 Uhr wurde in Richtung Mexiko in See gestochen.

Ein letzter Blick auf George Town.

Unser nächster Zielhafen lag auf der mexikanischen Insel Cozumel. Entfernung: 334,7 Seemeilen. Am Abend auf See, wurde dann ein besonders Blitzschachturnier ausgetragen. Jörg Hickl und Franziska Beltz bildeten als Teilnehmer ein Tandem, gegen die Schachreisegruppe und wechselnden sich mit ihren Zügen ab.

Was will uns dieser fragende Blick wohl sagen .........?

Es sei hier verraten, dass Franziska Beltz und Jörg Hickl, das Turnier gewonnen haben!

Dienstag, 18. November: Um 10.00 Uhr, machten wir an der mexikanischen Insel Cozumel die Leinen fest. Unsere Reisegruppe absolvierte verschiedene Landausflüge.
 

Die Disney Magic und die Norwegian Dawn an ihren Liegeplätzen in Cozumel.

Cozumel ist eine der mexikanischen Halbinsel Yucatán vorgelagerte Insel und gehört zum mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo. Hier wie auf Yucatan lebten die Maya mit ihrer Hochkultur und hinterließen zahlreiche Spuren. Die Spanier landeten 1518 auf der Insel. Von hier unternahm Cortéz 1519 seinen Eroberungsfeldzug gegen die Azteken. Die auf der Insel lebenden etwa 40.000 Maya wurden durch eine von den Spaniern eingeschleppte Pocken-Epidemie ausgerottet. Während es Zweiten Weltkrieges wurden die größten Maya-Ruinen gesprengt, um für eine Start- und Landebahn Platz zu schaffen.

Die Maya-Ruinen von Tulum

Eine Delphinshow im Dolphin Swim & Ride.

Die einheimische Fauna

Um 17.30 Uhr waren alle an Bord und zur letzten Etappe nach New Orleans wurde um 18.00 Uhr ausgelaufen. Die letzten 658,1 Seemeilen lagen vor uns.

Mittwochs folgte schließlich die fünfte und letzte Runde unseres Karibik-Schachturniers.

Ein besonders Schauspiel, waren immer die Sonnenuntergänge auf See.

Donnerstag, dem 20. November, wir durchqueren den Golf von Mexiko.

An Bord findet die Siegerehrung statt.

Siegerehrung: v.l.: Franziska Beltz, Hans Schlickum (2. Platz), Jörg Hickl, Reinhard Blodig (1. Platz) und Fred Just (3. Platz).
 

Im Anschluss an die Siegerehrung gaben Franziska Beltz und Jörg Hickl, ihr schachliches Können in einem Tandem- Simultanturnier zum Besten! Im Golf von Mexiko, gab es dann um 17.00 Uhr, denn letzten Sonnenuntergang auf unserer Kreuzfahrt zu bewundern.


Bohrinseln sind nun nicht das schönste Fotomotiv, aber bei diesem Sonnenuntergang….
 

Nach Sunset stand das gemeinsame Abendessen auf der Agenda. Beim Asiaten ließen wir uns das Abschiedsabendessen gut schmecken.

Ein Gruppenfoto von unserer Schachreisengruppe darf hier natürlich auch nicht fehlen.

Am 21. November, morgens um 08.00 Uhr, erreichten wir New Orleans, insgesamt: 3.875,8 Seemeilen, dies entspricht zirka 7.178 Kilometern, lagen nun hinter uns.

Die letzten Fotos von Bord, mit Blick auf New Orleans.
 

Nach Verlassen der Norwegian Dawn, ging es mit dem Taxi-Bus, zum Luis Amstrong Flughafen und von dort aus über Chicago nach Frankfurt zurück. Für mich war es eine sehr kurzweilige Reise, bei der alles stimmte, die richtige Mischung aus Schach, Sehenswürdigkeiten und schönen Erlebnissen, die ich sofort so wieder machen würde.

Vielen Dank an das Fotografenteam, das die Bilder für diesen Foto- Erlebnis- Reisebericht zur Verfügung stellte: Franziska Beltz, Frank Wunderlich, Günther Grunwald, Jörg Hickl, Joachim Münch, Werner Tallafuss und Andreas Back.

Veranstaltet wurde die Reise von Schachreisen Jörg Hickl. Details zu kommenden Kreuzfahrten und weiteren Schachreisen finden Sie unter www.schachreisen.eu .


Fotos: Andreas Back, Ergänzungstexte: André Schulz

52 Jahre alt. Reisebegeisterter Hobby- Vereinsschachspieler, mit seinen Höhen und Tiefen, sowie seit 1995, Macher (Redakteur) der Einricher- Schach- Zeitung (Vereinszeitung des Schachclubs Einrich e.V.).